Filmfest München 2010

Für uns ist es schon heute vorbei, denn nachdem das Deutschland-Spiel gegen Argentinien mitten am Tag stattfindet und aus sozialen Gesichtspunkten sicherlich wichtiger ist als einen weiteren Film auf dem Filmfest zu schauen haben wir “Carlos” mit 330 Minuten von der Liste gestrichen. Deswegen lasse ich die Woche schon jetzt mal Revue passieren:

Die Eröffnung mFilmfest München 2010it Me Too war von der Stimmung und den Reden durchaus gelungen. Nur der Film wankte etwas und war nicht so stark wie ich es erwartet hätte. Vielleicht bin ich da aber durch den letztjährigen Eröffnungsfilm Das Kabinett des Dr. Parnassus zu sehr verwöhnt. Der anschließende Empfang zeigte mir wieder mal wie schön es eigentlich ist NICHT berühmt zu sein, denn wir standen beim Eingang ins Künstlerhaus direkt hinter Veronika Ferres, die mir schon letztes Jahr auf der Eröffnung aufgefallen war. Als sie diesmal durch den Torbogen ging brüllten alle anwesenden Fotographen (mindestens zwei Dutzend) los: “Veronika”, “Frau Ferres”, “Hier zu mir”, “Veronika”, “Veronika”! Ganz souverän poste sie also nun für die Fotographen und wir hielten einen Moment inne um nicht die Bilder zu versauen und die arme Frau noch länger dem aussetzen zu müssen. Als SIE sich dann bedankte und damit das Zeichen gab, dass nun genug sei, gingen wir zügig durch und an ihr vorbei, denn kaum hatte sie sich umgedreht – ein weiteres Dutzend Fotographen: “Veronika”, “Hier her”, “Frau Ferres”, “Zu mir”! Später trafen wir sie wieder im Ballsaal und während wir unsere Ruhe hatten und unser Essen genießen konnten, da trat ein Kamerateam in den Saal, steuerte auf die am Nebentisch essende Ferres zu und schon unterbrach sie das Essen und lies sich ruhig und professionell interviewen. Als bekanntes Gesicht hat man eben wirklich keine ruhige Minuten in der Öffentlichkeit mehr.

Aber zurück zum Filmfest selbst. Die erste Wochenhälfte haben wir es recht ruhig angehen lassen und mit fünf Filmen recht wenig gesehen. Allerdings war auch nichts Großartiges dabei, sodass man nie das Gefühl hatte etwas zu verpassen. Heraus zu heben ist hier höchstens Jane’s Journey, eine Dokumentation über Jane Goodall, die zwar informativ aber leider zu keinem Zeitpunkt kritisch wurde und die leider etwas dürfte Doku The People vs. George Lucas, die auf das Fantum um Star Wars berichtete.

In der zweiten Wochenhälfte wurde es dann spannender, denn mit sieben Filmen wurden es zwar nicht wesentlich mehr, aber das Ganze fand irgendwie intensiver statt. Sehr enttäuschend war der Beginn mit Kick in Iran, denn die Dokumentation, die von der ersten iranischen SportlerIN auf den olympischen Spielen handelte wirkte auf uns wie eine lose Aneinanderreihung von Szenen, die nicht auf die brennende Fragen eingingen. Nach dem Film fragten wir uns vieles, wovon wir eigentlich gehofft hatten, dass es uns gezeigt und erklärt wird. Für eine Dokumentation, die sogar schon auf dem Sundance Festival gezeigt wurde, hatte ich hier sehr viel mehr erwartet!

Der Mittwoch steigerte sich dann erst durch Videocracy, wieder eine Dokumentation, diesmal über Silvio Berlusconi und seine “Machenschaften” in Italien. Gut inszeniert und informativ mit viel Kritik an dem gesamten System und an manchen Stellen so skurril, dass man vor Schreck sich das Lachen nicht verkneifen konnte. Das Highlight unserer Filmfestwoche war dann aber The Myth of American Sleepover, das Coming-of-Age Drama von Regisseur David Robert Mitchell, einem äußerst sympathischen Mann, der in einer schönen und interessanten Geschichte verpackt die Probleme und Erlebnisse von US-Teenagern anhand der dort üblichen “Übernachtungsparties” aufzeigt. Wir wussten schon direkt nach dem Film, dass das wohl unser Highlight des Filmfestes gewesen ist, denn es passiert leider immer seltener, dass man solche Perlen entdeckt. Ich hoffe sehr für Mitchell, dass er einen deutschen Verleih für seinen Film findet!

Abends haben wir uns dann noch die Dokumentation – ja es war sehr Doku-lastig dieses Jahr – Life 2.0 angesehen, die sich mit Second Life und den Menschen bzw. Avataren darin beschäftigt. Handwerklich gut gemacht deckt er leider nur einen kleinen – aber nicht uninteressanten – Teil des kompletten Spektrums ab. Da ich selbst ebenfalls jahrelang aktiv im Second Life war wollte ich diese Doku unbedingt und wurde nicht enttäuscht. Einzig die Diskussion mit dem Regisseur nach dem Film fiel mir ein wenig zu kurz bzw. zu oberflächlich aus. Das lag aber wohl vorallem daran, dass gerade mal drei oder vier Leute im Saal waren, die SL jemals selbst “erlebt” haben und dadurch wäre ein Gespräch in diese Richtung vermutlich zu weit gegangen.

Von den restlichen Filmen ist dann sicherlich noch Brothers zu erwähnen. Der starbesetzte Streifen kann durchaus unterhalten und ist spannend anzusehen, allerdings gibt es dennoch einige Kritikpunkte an der Geschichte und Umsetzung, denn hier hätte man noch dichter inszenieren und damit den Zuschauer vom Hocker reißen können.

Insgesamt war es für uns ein recht ruhiges und gemutliches Filmfest. Auch wenn 12 Filme in einer Filmfestwoche sehr wenig sind so glaube ich dennoch, dass wir einen guten Querschnitt mitgenommen haben. Irgendwie passte das Programm nicht so recht zu uns dieses Jahr. Aber allein für die Perle The Myth of American Sleepover hat es sich schon wieder gelohnt. Vielleicht wird es im nächsten Jahr wieder besser – wir werden sicher wieder dabei sein!

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