Die Entspannung in stressigen Zeiten

Sicherlich kennt das jeder: Es gibt Tage, Wochen oder sogar Monate in denen man gefühlt nichts voran bringt, aber dennoch so intensiv eingespannt ist, dass einem der Streß deutlich zusetzt. In genau diesen Phasen versuche ich immer wieder mir Auszeiten zu nehmen, manchmal durch zwei oder drei Tage Kurzurlaub, aber gerne auch durch wenige Stunden, die ich mir dann regelmäßig in den Kalender eintrage.

Um diese Stunden dann aber auch wirklich von Telefon, Notebook und Internet los zu kommen (uns Informatiker muss ja förmlich dazu zwingen) gehe ich seit einigen Wochen endlich wieder regelmäßig in die Therme Erding. Gestern war es wieder soweit und ich fuhr mit meiner Freundin wieder nach Erding. Wir pflegen immer das Saunaparadies für erstmal 3 Stunden zu bezahlen, denn selbst wenn man dann länger bleibt ist der Endpreis identisch mit dem 5 Stunden-Preis oder eben günstiger, wenn man nicht die vollen 5 Stunden ausschöpft. Ideale Besuchszeit ist natürlich zu Werktagen ausgenommen Freitag. Gerade Abends ist zwar schon noch was los im Saunabereich, aber man bekommt auch zu den Aufgußzeiten noch locker einen guten Platz in der Sauna.

Die Aufgüsse sind eine persönliche Leidenschaft von mir, denn das ist das eigentlich Spannende an einem Saunaabend und gerade in der Therme Erding gehört das definitiv zu einem Besuch! Aber gerade für Neulinge, die sich das erste Mal an einen längeren Saunagang heran wagen ist zu empfehlen sich Tipps von Erfahrenen oder Mitarbeitern geben zu lassen, womit man beginnen und welche Saunagänge man vorab auf jeden Fall mal antesten sollte. Denn es gibt eine goldene Regel beim Aufguß: Die Sauna wird während des Aufgusses nicht verlassen, wenn man keine Kreislaufschwierigkeiten hat oder rosarote Elefanten die Sauna stürmen! Immer wieder muss ich nämlich leider erleben, dass den Aufgußgästen der Spaß ordentlich vermiest wird durch gnadenlose Überschätzung Einzelner. Um das näher zu erklären aber erstmal der Ablauf eines solchen Aufguß:

Einige Minuten bevor mit dem Aufguß begonnen wird kommt/en der/die Mitarbeiter/in und lüftet die Sauna. Hierzu werden alle Türen und Fenster geöffnet und mit dem Handtuch ordentlich Sauerstoff in die Sauna gewedelt. Dadurch senkt sich natürlich auch die Temperatur ein wenig, sodass der Aufguß später gut zu ertragen ist. Der Aufguß selbst läuft dann in mehreren Runden ab. Oft wird mit Eiswasser und ätherischen Ölen aufgegossen, die dann den entsprechenden Duft im Raum erzeugen. In der ersten Runde wird der Duft und die Wärme im Raum verteilt und in der zweiten Runde gehts dann richtig zur Sache ;-) In manchen Saunen wird in der zweiten Runde dann auch noch “angeschlagen”, dabei wedelt der Mitarbeiter allen, die es wünschen (nur die harten kommen in den Garten) nochmal ordentlich warme Luft direkt ins Gesicht. Als Abschluß gibt es dann manchmal noch eine kleine letzte Runde, bei der nur noch der Rest auf den Ofen gekippt, ein wenig gewedelt und dann die Sauna fluchtartig verlassen wird.

Der Sinn eines Aufgußes ist letztlich die sehr geringe Luftfeuchtigkeit in einer Sauna temporär zu erhöhen und damit die gefühlte Wärme dramatisch zu steigern. Man “schwitzt” sich also die Seele aus dem Leib, weil durch das zusätzliche Wasser auf dem Ofen ordentlich Dampf in die Sauna kommt, der sich auf der Haut niederschlägt. Wenn jetzt also ständig die Leute rein und raus laufen, weil sie zuerst ‘ne große Klappe haben wie cool sie sind und deswegen sich quasi auf den Ofen setzen und dann aber nach zwei Tropfen Aufguß den 100m Lauf gewinnen würden, dann entweicht eben dieser Dampf aus der Sauna und der Aufguß ist für die verbleibenden “Opfer” deutlich abgeschwächt bzw. unnütz geworden!

Gestern waren wir also gegen 18:45 Uhr (leider etwas später als geplant) in der Therme und zogen gleich mal in die Geysirhöhle, die sich – wie der Name schon sagt – durch einen Geysir auszeichnet, der in kurzen Zeitabständen ordentlich Wasser in den Raum bläst. Erst nach 5-10 Minuten fiel mir auf, dass diesmal Musik lief und es sich dabei um den fantastischen Soundtrack von Herr der Ringe handelt. Nachdem wir uns aufgewärmt hatten ging es dann mit den ersten Aufgüssen los, denn der Fahnenaufguß im Stonehenge stand auf dem Plan. Dort wird mit einer ca. 3-4 Meter hohen Fahne die Hitze unter dem hohen Dach herausgeholt und unter höchster Anstrengung des Saunameisters in zwei Runden aufgegossen. Nachdem wir hier ca. 10-12 Minuten verbracht haben und der Aufguß beendet war wollten wir uns ne kleine Pause gönnen und haben die Liegen im Stonehenge genossen. Gegen 20:30 Uhr hab ich mich dann alleine auf den Weg in das Kelohaus gemacht um dort dem vermutlich “intensivsten” Aufguß in Erding beizuwohnen. Gerade hier zeigt sich immer wieder, dass sich viele überschätzen und der Meinung sind vor den weiblichen Begleitungen den coolen Macker raushängen lassen zu müssen.

Ich setze mich hier gerne in die sogenannte Abstellkammer, also eine Ecke in der sich die Luft hält und es damit noch intensiver wird, da kaum Zirkulation stattfindet. Nach der ersten Runde zogen auch prompt einige Besucher gleich nach unten um, da es ihnen wohl zu heiß wurde. Zum Glück verließ diesmal niemand die Sauna, obwohl die zweite Runde sehr heftig war und schon ordentlich an die Substanz ging. Bei meinem letzten Besuch vor zwei Wochen verließen bei einem Kelo-Aufguß 4 Leute die Sauna und das auch noch direkt nachdem die zweite Runde auf dem Ofen war, also zum ungünstigsten Zeitpunkt! Wenn einem wirklich schlecht wird oder man Kreislaufprobleme bekommt, dann ist das natürlich absolut in Ordnung. Wer aber rausgeht und sich dann direkt vor der Sauna hinstellt und Witze reißt, sowie 5 Minuten später an der Poolbar ein Weißbier heben kann, der hat nicht mehr alle Zacken in der Krone.

Nach dem gelungenen Kelo-Aufguß ging es weiter in die Meditationssauna in der wir wieder gemeinsam einen “Klangschalenaufguß” besuchten. Hier wird neben dem sehr milden Aufguß mit den indischen Klangschalen gearbeitet, die angeschlagen werden und durch die Schallwellen der Körper in Schwingungen versetzt werden soll. Warum auch hier 4-5 Leute die Sauna verließen ist mir komplett unklar. Es war locker zu ertragen und auch wenn der gesamte Aufguß über gute 15 Minuten ging, so erwähnte der Saunameister immer wieder, dass wir nur noch kurz durchhalten sollen. Er brach dann – so wirkte es zumindest – recht schnell ab, nachdem 3 Leute gleichzeitig die Sauna verließen und beendete den Aufguß.

Insgesamt merke ich deutlich, dass ich durch die regelmäßigen Saunagänge subjektiv entspannter bin und einfach mehr Ruhe finde. Der Zwang – den ich mir selbst auferlege – hier jegliche Kommunikation abzulegen und dadurch echte Freizeit zu haben mag zwar merkwürdig erscheinen aber nur so funktioniert es bei mir ;-) Vielleicht ist es auch den Saunagängen zu verdanken, dass ich ein enorm stabiles Immunsystem zu haben scheine, denn meinen Hausarzt kenne ich nur durch meine Zeckenimpfungen…

Ich kann es also nur jedem empfehlen und wer sich alleine nicht traut: Einfach melden ich bin gerne dabei und freue mich auf gemeinsame Saunagänge und Aufgüsse!

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