And the Oscar goes to…

Jedes Jahr findet zur Oscar-Verleihung bei uns zu Hause eine “kleine” Oscar-Party statt, bei der gemeinsam die Live-Übertragung der Oscars geschaut, diskutiert und bewertet wird. So fanden sich also gestern Abend gegen 20:00 Uhr fast zehn Leute bei uns ein, die – dank meiner immer großzügig kalkulierenden Freundin – nach einem ausgiebigen Essen sich über Couch, Sitzsäcke und Stühle verteilten und so den Abend bis zum Beginn der Übertragung verkürzten. Als es dann auf Mitternacht zuging verabschiedeten sich einige – meist arbeitende – Gäste und der harte Kern begann mit üblichen Ritualen der jährlichen Oscar-Party…

Die Live-Übertragung beginnt immer mit dem Schaulaufen der Stars auf dem berühmten Red Carpet, hierbei fühlt sich Pro7 jedes Jahr verflichtet, den Besten der Besten (Achtung ab hier teilweise enorme Ironie!) für Deutschland hin zu schicken und stellt deswegen den Meister der Schnellinterviews Steven Gätjen an den Rand des roten Teppichs. Wie jedes Jahr meisterte er auch diesmal wieder jede Schwierigkeit im Umgang mit den Größen des Showbiz und sprach in Penelope Cruz mit seinem lächerlichen, vorher aufgeschriebenen, spanischen Satz an. Die Situation konnte nur deswegen einigermaßen aufgefangen werden, da Penelope gewohnt routiniert und lächelnd sich für das Lob über ihr Aussehen bedankte und ihm eine tolle Aussprache attestierte. Aber auch sonst schaffte Gätjen, die von mir immer wieder so geliebte Vorstimmung auf das große Event: Den brodelnden Hass auf Pro7 gepaart mit der alljährlichen Realisierung dass wir Deutsche dank solcher Qualität am roten Teppich immer sehr beliebt sein werden.

Um 2:00 Uhr war das Grauen aber dann vorbei und endlich wurde auf den Live-Stream von ABC umgeschaltet. Das hieß: Kein deutsches Gebrabbel mehr, kein peinlich agierender Gätjen und endlich die großen (nominierten) Stars, die Pro7 sowieso nicht ans Mikrofon bekommt. Bei uns war die Stimmung wie jedes Jahr ausgelassen, da die Frauen der Runde jedes Kleid (und sei es noch so weit im Hintergrund zu sehen) auf Stil, Aussehen und Passform bewertete – für uns Männer immer wieder schön zu zu hören ;-)

Gegen 2:30 Uhr war es dann soweit, die große Oscar-Show begann und Host-Debütant Hugh Jackman zeigte mit einer eigenwilligen aber durchaus unterhaltsamen Eröffnung, dass so einiges anders werden würde dieses Jahr. Womit wir auch schon beim Hauptthema wären:
Jedes Jahr wird lange über die Eignung des Hosts vorab diskutiert und ich hatte dieses Jahr echte Zweifel, dass Hugh Jackman den gewohnten Witz und die Spritzigkeit an den Tag legen kann um den Abend adäquat zu füllen. Wie sich dann gestern jedoch heraus stellte, musste er gar keine so große Leistung bringen, denn als Host tauchte er deutlich seltener auf, als seine Vorgänger und auch sonst sank die Qualität des wichtigsten Abends in Hollywood enorm, sodass er nicht negativ auffiel!

Grund für diese äußerst miese Show war die komplette Anordnung und der Aufbau: Bei vielen Nominierungen wurde die Nominierten-Liste in einer Geschichte verpackt, die dann von den Presentern erzählt wurden. Als Zuschauer sah man schon Ausschnitte aus den jeweiligen Filmen, eigentlich eine nette Idee, doch dann kam der offizielle Teil and the nominees are… na toll! Jetzt also nochmal alle Filmtitel und Personen, die man eben schon gesehen und teilweise auch gehört hatte. Wie sehr will man den Zuschauer eigentlich langweilen?

Ein weiterer dieses Jahr äußerst negativ auffallender Punkt war die deutlich höhere Werberate: Teilweise wurde nur ein einziger Oscar vergeben (manchmal auch keiner) und schon machte ABC wieder Werbung. An sich für die Amis ein normales Vorgehen, warum Pro7 diese Chance (für die Verantwortlichen: CHANCE) nicht nutzt und irgendeinen halbwegs fähigen (für die Verantwortlichen: Das schließt Gätjen aus!) in ein Studio stellt und ein wenig Rekapitulieren lässt oder mal einen Zwischenstand bei der Gesamtzahl der Oscars durchgibt… ich weiß es nicht! Für alle, die jetzt glauben, Pro7 würde lieber Geld mit Werbung verdienen: Es kommt zum Teil keine Werbung, sondern “nur” Filmtrailer von nominierten Filmen – nette Idee, doch die Trailer kommen (scheinbar gekonnt ausgesucht) in so einem schwachsinnigen Zusammenschnitt und meist erst dann, wenn die entsprechende Kategorie schon vorbei ist!

Bei diesen schlechten Vorraussetzungen war dann eben nichts mehr zu retten und auch die Gewinner taten ihr Übriges: Bis auf Sean Penn sprach kein Gewinner auf irgendetwas außer dem Dank an seinen Mami, seinen Papi usw. an… Schade!

Insgesamt war es für mich die schlechteste Oscar-Verleihung, die ich bis dato live miterlebt habe (das sind mehr als zehn Shows), es war zu wenig Pepp drin, zuwenig My body is in tumulto, zu wenig Überraschung bei den Gewinnern. Zum Glück hatte ich nette Gesellschaft, die zum Großteil mit mir den gesamten Abend die gesamte Nacht durchgestanden haben, denn sonst hätte ich wohl geweint und zwar nicht über die Rede irgendwelcher Gewinner, sondern aus Trauer an die alten Zeiten in denen man noch echte Emotionen zeigte, wenn man die größte aller Auszeichnungen in Händen halten durfte:

Achja, wen es interessiert. Hier die Gewinner des Oscars 2009.

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1 Kommentar to “And the Oscar goes to…”
Dani Veröffentlicht in 2. März 2009 um 23:14

Was heißt hier “immer großzügig kalkulierende Freundin”?! Wer kann schon ahnen, dass sich alle auf die Burger stürzen und das leckere Chili und die Chicken Wings links liegen lassen würden? Aber zumindest sind alle satt geworden :-) Und die Vorräte reichen noch für eine weitere Party :-D

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